Wenn Hass singbar wird....

Veröffentlicht am 16. Juni 2026 um 08:53

Eigentlich wollte ich diesen Blog sanft entschlummern lassen, aber zwei unterschiedliche Erfahrungen der letzten Tagen lassen mich nun doch wieder in die Tasten hauen. Zwei Erfahrungen, die mir - leider - wieder einmal zeigen, wie schnell Menschsein in Hass kippen kann und wie Nationalsozialismus so perfide funktionieren konnte.

Erfahrung 1: Am Samstag, dem 13. Juni, fand wieder das jährliche Gedenken am Loibl-Tunnel statt. Die Baustelle war Außenlager des KZ Mauthausen, in den beiden Lagern am Süd-und Nordportal schufteten Menschen unter brutalsten Bedingungen, wurden gedemütig, erniedrigt, getötet. Das Mauthausen Kommitee Kärnten veranstaltet jedes Jahr eine so wichtige Gedenkfeier- in diesem Jahr wurde nicht nur auf die Opfer geschaut, sondern auch die Frage nach den Tätern gestellt. Die Täter:innen, das waren nicht numinose, unbekannte Menschen: "Dieses Unrecht hatte kein fremdes Gesicht...." hieß es in einer der Reden. Die Täter:innen waren leider auch Nachbarn, Bekannte, Freunde (?), die sich in den Dienst des Regimes stellten, die kein Problem damit hatten, dass Menschen, die nicht ins "arische Konzept" passten, als minderwertig angesehen, durch Propaganda pauschal verurteilt, lächerlich gemacht und "entmenschlicht wurden".

Erfahrung 2: Die FPÖ hat auf ihren FPÖ-TV-Youtube Kanal nun ein Lied vorgestellt, der Standard hat am 15. Juni darüber berichtet: https://www.derstandard.at/story/3000000327246/mit-ihrem-remigrationssong-macht-die-fpoe-deportation-zum-sommerhit

"Airbert One - der Remigrationssonng" heißt das ungustiöse Machwerk, im Gewand eines deutschen (sollte ich schreiben : teutschen?) Schlagers kommt es daher, natürlich perfide perfekt produziert (inklusive Video voll - natürlich größtenteils blonder - schöner glücklicher, wohl arischer Menschen, die das Lied hinterm Steuer trällern, am Badestrand, in der Disko, bei FPÖ-Feiern- eine kolorierte Reni-Rieffenstahl Doku meets Helene-Fischer-Schlager-Hymnen sozusagen).  So weit, so grauslich, so spaltend, so Hass schürend. Die Frage, die sich mir beim Betrachten dieses Machwerks stellt: wie kann der Komponist/die Komponistin sich dafür hergeben, wie der/die Texter:in, wie der/die Produzent/in des Liedes und des Videos, wie die Musiker:innen, die das eingespielt haben und wie die Schauspieler:innen, wie die Journalist:innen (?), die für FPÖ-TV recherchieren, wie die Techniker:innen usw usf. ....

Nationalsozialismus brauchte, um zu funktionieren, an der Spitze des Eisbergs des Grauens die Mörder:innen. Aber es brauchte v.a. die riesige Gruppe an Mitläufer:innen und die "kleinen Rädchen", die die Todesmaschine am Laufen hielten... durch ihre tägliche Arbeit, ihr Ausblenden, wofür oder für wen sie sich einbrachten. Auch die Nazis hatten übrigens reißerische Lieder, die gerne bei Festen geträllert wurden. 

Mir graut davor, was in diesem Sommer bei Grillpartys, Sommerfesten und zu später Stunde wohl auch in bestimmten Lokalen plötzlich auf der Playlist auftauchen wird... und wer dann wohl mitsingt? 

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Kommentare

Elisabeth Schneider
Vor 3 Stunden

DANKE

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